Die Energiewende entwickelt sich vom Klimaprojekt zum strategischen Wettbewerbsfaktor für Unternehmen und Regionen
Unter dem Motto „Power für die Region: Energiezukunft für Unternehmen und Gemeinden“ lud der SENAT DER WIRTSCHAFT gemeinsam mit seinem SENAT-Partner GWS – Integrative Betriebe Salzburg GmbH am 11. Juni 2026 nach Salzburg.
Bei der hochkarätig besetzten Veranstaltung diskutierten Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Energiewirtschaft wie Regionen ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen und welche Chancen daraus für Wertschöpfung, Planungssicherheit und Standortstärke entstehen können.
Energie als Frage der Wettbewerbsfähigkeit
Die Botschaft des Abends war klar: Die Energiewende ist längst mehr als ein Klimaprojekt. Sie ist zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor für Unternehmen, Gemeinden und ganze Regionen geworden. Strom war lange eine Selbstverständlichkeit: Er kam aus der Steckdose, erschien auf der Rechnung und verschwand als Kostenblock in der Bilanz. Heute entscheidet Energie zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit, Investitionsspielräume und regionale Entwicklung. Besonders Solarstrom eröffnet neue Handlungsspielräume: Er zählt heute zu den günstigsten Formen der Energieerzeugung. Zugleich erleichtert das neue Stromgesetz, selbst erzeugten Strom flexibel zu nutzen, zu teilen und wirtschaftlich einzusetzen.
Wirtschaftliche Resilienz statt Ideologie
Senatorin Mag. Astrid Katharina Lamprechter, Geschäftsführerin der GWS – Integrative Betriebe Salzburg GmbH, legte in ihren Begrüßungsworten die unternehmerische Dringlichkeit offen. Nachhaltigkeit sei kein reines Umweltthema oder eine technische Frage, sondern legt die notwendige Basis für betriebliche Resilienz in geopolitisch unsicheren Zeiten. Für Lamprechter ist die Eigenproduktion eine zentrale Sicherheitsfrage jenseits von Ideologien: „Wir denken Energie und Nachhaltigkeit strategisch und stärken so die Resilienz und Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens. Die Eigenversorgung mit Energie sichert uns als Gesellschaft die Unabhängigkeit und Entwicklungsfähigkeit, die wir wollen.“
Energieautonomie als strategischer Vorteil
Diese Analyse stützte Heidemarie Rest-Hinterseer von der AEE eGen. Investitionen in erneuerbare Energie seien keine rein betrieblichen Belastungen: „Die ökonomische Logik hat sich gedreht. Unternehmen senken ihre Stromkosten durch eigene Anlagen heute um bis zu 50 Prozent. Das Festhalten an fossilen Strukturen subventioniert den Wettbewerbsvorteil der Konkurrenz.” Fossile Energie stelle ein strategisches Risiko dar, das jedes Geschäftsmodell unterminiere. Die Beteiligung der Bevölkerung an Energieerzeugungsanlagen stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt und schärfe das Bewusstsein.
Auch Angela Lindner, Physikerin und Professorin an der HTL Salzburg, verwies auf die herausragende Rolle technischer Entwicklungen, die für kommende Generationen bereits selbstverständlich seien.
Regionen als Kraftwerke der Zukunft
Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender des Senat der Wirtschaft, lenkte den Fokus auf die Dezentralisierung. Projekte des Senat in Rauris und Gnas belegen die Verschmelzung lokaler Infrastruktur und privaten Kapitals zu belastbaren Netzwerken – ganz ohne ideologische Scheuklappen. Harrers Fazit fiel unmissverständlich aus: „Die Energiewende ist keine ferne Zukunftsvision, sondern eine reale, hier und jetzt umsetzbare Chance. Die Begreifung der Energiewende als Motor für lokale Wertschöpfung ist zwingend. Die Nutzung regionaler Energieautarkie und intelligenter Vernetzung sichert Standorte langfristig gegen globale Schocks ab.“
Bürmoos als Erfolgsmodell
Wie Gemeinden statt reinen Verwaltern zu aktiven Gestaltern der Energiezukunft werden können, zeigte Bürgermeisterin Cornelia Ecker am Beispiel der Gemeinde Bürmoos. Dort koppelt eine Bürgerbeteiligungsanlage lokales Kapital mit wirtschaftlicher Teilhabe und schafft damit ein Modell mit Vorbildwirkung. anstatt auf die Trägheit zentraler Förderbürokratie oder ideologische Debatten zu setzen: „Lokale Energieprojekte sind eine Gemeinschaftsaufgabe mit Ursprung in den Gemeinden. Die Umsetzung erfolgt ohne Warten auf Signale von oben durch Bürgerbeteiligungsmodelle mit Vorbildwirkung. Beste Ideen entstehen durch politische Ermöglichung statt durch bloße Verwaltung.“
Energieautonomie schafft wirtschaftliche Souveränität
Die Veranstaltung in Salzburg setzte ein starkes Signal: Energieautonomie ist ein Schlüssel für wirtschaftliche Handlungsfähigkeit. Unternehmen und Gemeinden, die Energie selbst produzieren, können Risiken besser abfedern, Investitionsentscheidungen eigenständiger treffen und regionale Wertschöpfung aktiv gestalten. Abhängigkeit von externen Märkten kostet Handlungsspielraum. Eigenversorgung hingegen schafft Planungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Standortstärke.
Hans Harrer brachte es in seinen Schlussworten auf den Punkt: „Energie ist heute eine wirtschaftliche Machtfrage. Sie entscheidet darüber, ob Wertschöpfung im eigenen Raum entsteht oder abfließt, ob Standorte gestaltend bleiben oder abhängig werden. Energieautonomie bedeutet wirtschaftliche Souveränität – alles andere ist ein Risiko, das man sich in Zukunft immer weniger leisten kann.“
Fotos zur zur Veranstaltung finden Sie hier
Fotocredit: © GWS








