Wer abwartet, wird überrollt Resilienz wird zur Zukunftschance für den Mittelstand

Am 16. Juni lud Senator Mag. Peter Ölsinger, Geschäftsführer von BRP-Rotax gemeinsam mit dem Senat der Wirtschaft zur exklusiven SENAT-Lounge „Resilienz als Erfolgsfaktor: Der Mittelstand zwischen Regulierung, Inflation und steigender Komplexität“ in den Rotax MAX Dome nach Linz.

Handlungsfähigkeit in volatilen Zeiten

Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, wie Unternehmen ihre Handlungsfähigkeit bewahren können, wenn geopolitische Unsicherheiten zunehmen, regulatorische Anforderungen wachsen und technologische Entwicklungen immer schneller voranschreiten. Vertreter aus Wirtschaft, Industrie und Finanzwesen diskutierten über Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Österreich.

Finanzierung wird zur strategischen Zukunftsfrage

Den Auftakt machte MMag. Roland Hechenberger, MBA, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Wels mit seiner Keynote „Banken & Nachhaltigkeit – Souveräne Finanzierung als strategischer Hebel“ worin er zeigte, warum Finanzierung für Unternehmen zunehmend zu einer strategischen Frage wird. Ausgangspunkt ist ein wirtschaftliches Umfeld, das von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit geprägt ist. Neben Inflation, Zinsumfeld und geopolitischen Entwicklungen beeinflussen auch ESG-Anforderungen, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Energiefragen und Fachkräftemangel die unternehmerische Handlungsfähigkeit.

Hechenberger machte auch deutlich, dass sich die Anforderungen an Kreditnehmer deutlich verändert haben. Während früher vor allem Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Sicherheiten im Mittelpunkt standen, zählen heute zusätzlich Geschäftsmodell, Managementqualität, Zukunftsfähigkeit, Transformationsfähigkeit sowie Sensitivität und Resilienz. Finanzierung folgt damit nicht mehr allein den Erfolgen der Vergangenheit, sondern der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.

Zudem betonte er: “Nachhaltigkeit ist längst wirtschaftliche Realität. Der entscheidende Zugang ist nicht Ideologie, sondern Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen müssen rechtzeitig darauf achten, finanzielle Spielräume zu sichern — nicht erst dann, wenn sie dringend gebraucht werden.”

Mehr Stärke für die Region durch gebündelte Kräfte

Außerdem verwies er auf die Fusion von Raiffeisenbank Wels und Raiffeisenbank Gunskirchen. Durch die Bündelung der Kräfte entsteht die größte Raiffeisenbank Österreichs. Ziel sei es, Kundennähe und lokale Entscheidungskompetenz weiterhin zu bewahren und zugleich jene Stärke einzubringen, die es braucht, um auch komplexe Finanzierungen und Investitionsprojekte erfolgreich zu begleiten. Unter den anwesenden Gästen war auch Senator Andreas Hohensasser, Geschäftsführer der Raiffeisenbank Gunskirchen.

KI als digitaler Mitarbeiter im Mittelstand

Einen weiteren Akzent setzte Gregor Pichler, CEO und Co-Founder von Ahoi Kapptn!. Er machte deutlich, dass der Mittelstand Künstliche Intelligenz nicht als abstraktes Zukunftsthema, sondern als aktiven „digitalen Mitarbeiter“ begreifen müsse.

Entscheidend sei daher nicht der perfekte Prompt, sondern ein klares Verständnis der eigenen Abläufe. „Denkt in Prozessen, nicht in Prompts“, lautete Pichlers zentrale Botschaft. Gerade Nicht-Tech-Unternehmen hätten dabei große Chancen, weil sie ihre Kunden, Mitarbeitenden und Prozesse am besten kennen.

Anhand konkreter Beispiele — von Reisekostenabrechnung über Rechnungsprüfung bis hin zu wiederkehrendem Reporting — zeigte Pichler, wo KI im Unternehmensalltag sofort Entlastung schaffen kann. Sein Appell: Unternehmen sollten die Transformation aktiv gestalten, statt abzuwarten. Denn die entscheidende Frage sei nicht mehr, ob KI das eigene Geschäftsmodell verändert, sondern ob Unternehmen diesen Wandel selbst steuern — oder ob er ihnen passiert.

Industrielle Standfestigkeit in volatilen Märkten

Gastgeber Senator Mag. Peter Ölsinger, Geschäftsführer von BRP-Rotax, brachte die Perspektive eines international tätigen Produktionsunternehmens ein. BRP-Rotax steht mit seinen Antriebssystemen für mehr als 100 Jahre Innovationskraft, über 11 Millionen Motoren am Weltmarkt und mehr als 250 Patente.

Ölsinger machte deutlich, dass industrielle Resilienz heute weit über reine Anpassungsfähigkeit hinausgeht. Fachkräftemangel, Kostensteigerungen, Digitalisierung, Bürokratie, geopolitische Risiken, Finanzierung, Nachhaltigkeit und internationaler Wettbewerbsdruck stellen Produktionsunternehmen gleichzeitig vor vielfältige Herausforderungen. Gerade deshalb brauche es klare Strategien, technologische Innovationskraft und Rahmenbedingungen, die industrielle Wertschöpfung am Standort Österreich ermöglichen.

„Wir stehen als Industriebetriebe vor der Aufgabe, Kurs zu halten, während uns geopolitische Verschiebungen und oft starre, praxisferne Gesetzgebungen in neue Haftungsrollen drängen“, sagte Ölsinger.

In diesem Zusammenhang verwies er auf die Bedeutung praxisnaher Regelungen und darauf, dass industrielle Stärke nicht selbstverständlich sei: „Industrielle Standfestigkeit bedeutet heute auch, die Rahmenbedingungen aktiv einzufordern, damit zivile Spitzenleistungen aus Österreich nicht durch Export- und Haftungsregulierungen politisiert und damit in ihrer Existenz bedroht werden.“

BRP-Rotax zeige, dass Standfestigkeit in volatilen Zeiten aus der Verbindung von Tradition, Forschung, internationaler Marktpräsenz und konsequenter Weiterentwicklung entsteht. Entscheidend sei, auch unter schwierigen Bedingungen Kurs zu halten und Zukunftstechnologien aktiv mitzugestalten.

Selbstbestimmt statt fremdbestimmt

Die Conclusio des Abends zog Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender des Senat der Wirtschaft. Resilienz bedeute nicht, auf Veränderungen nur zu reagieren, sondern Zukunft aktiv zu gestalten und unternehmerische Handlungsfreiheit zu sichern. „Unser Ziel muss lauten: selbstbestimmt statt fremdbestimmt“!

“Der Abend hat gezeigt, dass unsere Unternehmer bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Transformation anzuführen. Der Senat der Wirtschaft wird weiterhin seine Allianz der unternehmerischen Macher stärken, die sich für Rahmenbedingungen einsetzt, in denen Betriebe nicht nur bestehen, sondern als Taktgeber des Wirtschaftsstandorts die Zukunft gestalten können”, so Hans Harrer.

Sportlicher Ausklang bei der Go-Kart-Rallye

Zum Abschluss ging es sportlich auf die Rennstrecke: Unter der Begleitung von Ralf Bachl, Standortleiter des Rotax MAX Dome, starteten die Gäste zur Go-Kart-Rallye, bei der auch der Spaß nicht zu kurz kam. In entspannter Atmosphäre fand der Abend bei einem lockeren Get-together mit Austausch und Vernetzung seinen Ausklang.

Fotos zur  zur Veranstaltung finden Sie hier

Fotocredit: © Die Oberösterreicherin / Mathias Lauringer